Martinskirchweih in Hofstetten

| Hans Babl |

Am Sonntag feiert Hofstetten Kirchweih. In der Kirche St. Martin wird um 9:30 Uhr ein festlicher Patroziniumsgottesdienst zelebriert. Musikalisch umrahmt ihn die Singgemeinschaft Männergesangverein Ensdorf/Sängerbund 1880 Amberg. Anschließend Kirwa im Gasthof Graf.

Das genaue Alter der Kirche St. Martin in Hofstetten ist nicht zu ermitteln. Über eine Kirche in Hofstetten wird aber schon 1645 berichtet, damals wenig Rühmliches. Der Pfleger Lemming aus Amberg beklagte da am 7. Juli gegenüber dem Klosterrichter Teuscher aus Ensdorf den schlechten Zustand des Gotteshauses: „Dieweil ist doch das Capel zu Hofstetten ohne Schlüssel zur Kirchentür, ohne Mesner, ohne Zechpröbste (d. h. Kirchenverwaltung), einer Glocke beraubt, ohne Gestühl, zerbrochenen Altars, zerrissenen Dachs und derart beschaffen gefunden, als ob es – sit salve verbo (d. h. Verzeihung) – ein Schweinestall wäre, das Capel niemals besucht, elendliglich in seinem Alter, gegen einem selbst weinen mögten.“

Wahrscheinlich ist, dass die Kirche bald darauf gründlich renoviert, wenn nicht neu errichtet wurde. Eine erhaltene Bodenplatte datiert aus dem Jahr 1664. Dies ließe wie die Bauform darauf schließen, dass die jetzige Kirche damals erbaut wurde, und, dass Pater Odilo Schreger vom Kloster Ensdorf 1731 als Pfarrvikar von Hofstetten genannt wird. Er war mit der Ausbesserung des Chores beschäftigt, der vom Einsturz bedroht war.

Die Säkularisation überstand das Gotteshaus, weil es als Filialkirche galt. Im Jahr 1812 drohte der Kirche der Entzug staatlicher Zuschüsse, obwohl der Staat dazu verpflichtet war, da er das Vermögen des Klosters Ensdorf eingezogen hatte. Von 1829 bis 1858 erhielt die Kirche allerdings aus der Staatskasse einen jährlichen Zuschuss zur Bestreitung der „Regiekosten“, weil sie als ehemaliges „Zubehör“ zum Kloster Ensdorf Ansprüche auf Dotation aus Staatsmitteln hatte. 1869 wurde – gottlob ohne Erfolg – durch staatliche Behörden die Notwendigkeit der Kirche bestritten, was wohl auf die Ablehnung der Baulast zielte.

Mehrmals waren in diesem Jahrhundert Bauschäden zu beheben, besonders am Dach. 1869 wurde nach jahrelangen schwierigen Verhandlungen an der Frontseite statt eines schwachen Dachreiters ein kleiner Glockenturm aufgesetzt. Auch die Innenausstattung wurde ergänzt und ständig verbessert. Die 1792 gegossene Glocke ertönt heute noch, obwohl sie im 2. Weltkrieg zum Einschmelzen beschlagnahmt worden war. Sie konnte 1947 wieder zurückgeholt werden. Seit 1817 schmückt ein Bild des Kirchenpatrons St. Martin das Gotteshaus. 1887 wurde ein Kreuzweg angebracht, 1895 von Schreiner Hiltner von Ensdorf die sehr wertvolle Kassettendecke. 1914 setzte man zwei bunte Glasfenster im Altarraum ein. Eine gründliche Renovierung erfuhr die Kirche schon in den Jahren 1970/80. Damals wurde der Altarraum neu gestaltet. Zuletzt wurde 2002 eine umfassende Renovierung und Sanierung von Gotteshaus, Dach und Turm durchgeführt.

Den Innenraum beherrschen das Nothelferbild vom Eggenberg und ein Martinsbild; von der Decke schwebt eine Rosenkranzmadonna herab, ein Muttergottesbild schmückt die Wand. Die Kanzel mit den vier Evangelisten und ihren Symbolen sowie das Bild des hl. Florian vervollständigen die Innenausstattung. Das Bild des hl. Benedikt und seine Schwester, der hl. Scholastika, halten die Erinnerung an die Zeit wach als Hofstetten zum Benediktinerkloster Ensdorf gehörte.

Bereits am morgigen Samstag um 17 Uhr findet eine Martinsfeier mit dem Martinszug der Schulkinder statt. (Mittelbayerische Zeitung)